Sind wir nicht alle irgendwie Blüdel?

von Annette Schwindt

Mein Mann und ich haben ein Lieblingsrestaurant: den Koreaner um die Ecke. Dort kann man in zwar etwas beengten Sitzverhältnissen dafür mit superleckerem Essen in familiärer Atmosphäre alles haben, was das Herz eines Freundes asiatischer Küche begehrt. Von Sushi über Ente bis hin zum süßen Rettichsalat. Nicht zu vergessen Köstlichkeiten wie Bulgogi oder Bibim Bab! Die Belegschaft kennt uns dort längst beim Namen.

Als wir das erste Mal dort waren, fiel mir auf, dass die Wirtin meinen Mann immer wieder verstohlen betrachtete. Ich dachte natürlich das wäre wegen seines Rollstuhls und schaute kritisch zurück.
Da kam sie lachend herüber und meinte: "HOOOO, Sie denken ich gucken weil Lollschuhl? Naaaain! Abel sieht el aus wie meine Bludel!"
Mein Mann ist blond und hat auch ein ganz mitteleuropäisches Gesicht. Wie kann er also aussehen wie ein schwarzhaariger Koreaner??? Naja, wir haben uns nichts weiter dabei gedacht.

Ein anderes Mal wollte ich telefonisch einen Tisch bestellen, weil wir Besuch erwarteten. Da der Nachname meines Mannes am Telefon leichter zu verstehen ist, nenne ich bei solchen Bestellungen immer seinen. Eigentlich haben wir aber verschiedene Nachnamen.

Die Wirtin war dran: "Hallooo, jaaa?"
"Hallo, wir hätten gern einen Tisch für 19 Uhr für vier Personen. Aber zwei davon sind Rollstuhlfahrer, wir brauchen also ein bisschen mehr Platz."
"HOOOO…. Jaaa, also Tisch fül neunsehn Uhl, jaaa…. viel Pelsonen, jaaa…. unn swaaaai Lollschuhlfahlel."
"Nein, vier Personen und DAVON zwei Rollstuhlfahrer! Für Reis!"
"HOOOO, viel Pelsonen und swaaai Lollschuhlfahlel fül Leis – aba…! Sie sin doch Flau Schwindt, Flau Leis!"

Wer jetzt denkt, dass dieser Dialog nicht mehr übertroffen werden kann, der irrt gewaltig!

Gestern ging ich mit einem Bekannten zum Mittagessen zum Koreaner. Der Bekannte ist auch blond und Rollstuhlfahrer. Bestellung und Essen verliefen ohne Zwischenfälle. Aber zum Bezahlen kam die Wirtin an unseren Tisch und schaute ganz irritiert meine Begleitung an.

Also sagte ich: „Mein Mann konnte nicht mitkommen, er ist bei der Arbeit.“
Die Wirtin machte große Augen: "HOOOOO!!! Albeit?! El albeiten?"
"Ja, er ist Jurist beim Bundesversicherungsamt."
"HOOOOOOOOOOO!!! Julist bei Bundäääs….???"
"Bundesversicherungsamt. Die kontrollieren die Krankenkassen."
"HOOO! Beaaamtää?! Guuuut! Ich gedacht el nich albeiten."
Meine Begleitung grinste schon die ganze Zeit vor sich hin. Also sagte ich auf ihn deutend: "Er arbeitet auch, er hat nur heute frei. Er ist auch Jurist."
"HOOOOO?!!! Jaaa???"
Er lachte und meinte: "Jaja, alles dieselbe Blase."
Und die Wirtin: "HOOOO! Issel Bludel!"

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